Jean Sibelius (1865 - 1957), lädt zum feucht-fröhlichen Abend ins Hotel Kemp

 

Ein klirrend kalter Tag in Helsinki. Die Sonne scheint und eine kräftige Gestalt betritt die Esplanada, die Haupteinkaufsstrasse der Stadt. Einen Zigarrenstumpen im Mund, ein Borsalino auf dem Kopf und mit sich und der Welt noch nicht ganz im Einklang. Für Finnlands berühmtesten Komponisten war die vergangene Nacht wieder lang....sehr lang.

Sibelius' Helsinki, Ende des 19.Jahrhunderts, muss man sich wie eine Insel der Kultur in einem großen, leeren Land voller Einsiedler vorstellen, die neuen Einflüssen oder überhaupt Menschen gegenüber eher skeptisch eingestellt sind. Daher versammelt und trifft sich die Künstlerwelt in der Hauptstadt. Hier wird diskutiert, sich ausgetauscht und es werden Pläne geschmiedet.

Sibelius und seine Kollegen der Künstlergruppe "Symposium" machen es genauso. Ihr Mittelpunkt ist das heute noch existierende Hotel Kemp. Hier hat Sibelius sogar ein eigenes Zimmer mit Klavier, in dem er, ungestört von Frau und Hausangestellten, in Ruhe komponieren kann...und trinken. Denn, wie Quittungen belegen, die Nächte hier sind lang und feuchtfröhlich.

In einer dieser Nächte entsteht der "Valse triste", auch heute noch die heimliche Nationalhymne Finnlands. Wie Sibelius' Zeit in Helsinki und diese Nächte sich angehört haben, ist unser erster Ohrenschmaus.

Prost!....